Kategorie: Von der Tageskarte

Kaum passiert, schon gebloggt

Bücherfragebogen [♂] – 01

Er nagte an mir, dieser Tweet von @isabo_. Nicht, weil ich mich als besonders repräsentatives Exemplar Mann sehe (eher im Gegenteil), und auch nicht, weil ich mich berufen fühlte, die literarische Ehre der bloggenden Penisträger zu retten, sondern vielmehr, weil ich jüngst in einigen gern besuchten Blogs mit großem Interesse die Beiträge anderer (in der Tat ausschließlich weiblicher) Blogautoren zu diesem anspruchsvollen Stöckchen lese bzw. gelesen habe und oft dabei an die für mich bedeutsamen Bücher der bebloggten Rubriken denken musste – aber bislang nichts drüber erzählte. Anspruchsvoll, weil die 31 Fragen nicht »mal eben so« zu beantworten sind, sondern einiges Nachdenken und – sofern man die eigenen Leser für die erwähnten Bücher weiterführend interessieren möchte – einen gewissen Rechercheaufwand erfordern. Aber da ich momentan irgendwie mal wieder ein bisschen mehr Lust zum Bloggen habe, fange ich einfach mal damit an.

01 Das Buch, das du zur Zeit liest
Im Moment lese ich viel zu wenig Bücher. Ich lese viel im Internet und in Zeitschriften und Magazinen, einige habe ich abonniert (PAGE), andere kaufe ich sporadisch (NEON, brand eins, mare Kulinarik, Efilee) und manche klaube ich aus dem Postmüllkörbchen im Treppenhaus (ZEIT Magazin). Das hält mich leider merklich vom Bücherlesen ab. Ich habe aber mehrere angefangene Bücher auf dem Nachttisch liegen, z.B. »Die Donnerstage des Oberstaatsanwalts« von Herbert Rosendorfer, das »PONS Twitter«-Buch und »Die Teufelsarie« von Kate Ross (Übersetzung: Birgit Moosmüller). Sie liegen dort – und ich lese fremd.

Das letzte Buch, das ich – im vergangenen Sommerurlaub – in einem Rutsch gelesen habe, war »All you can eat: Ein Gourmet reist um die Welt« von Simon Majumdar, auf das mich das Blog der beneidenswert emsigen Leseratte Anke Gröner gebracht hatte. Angenehm leichte Kost und wieder mal ein Buch, das in mir den verklärten Wunsch weckt, auch selbst ganz einfach, nur mit Reisen und Essen, mein Geld verdienen zu können.

Vielleicht führt mich ja die Beschäftigung mit diesem Stöckchen mal wieder näher an Bücher heran.

Hier nochmal der gesamte Fragebogen
(von hier aus verlinke ich dann auch sukzessive auf meine Beiträge)
01 Das Buch, das du zur Zeit liest
02 Das Buch, das du als nächstes liest/lesen willst
03 Dein Lieblingsbuch
04 Dein Hassbuch
05 Ein Buch, das du immer und immer wieder lesen könntest
06 Ein Buch, das du nur einmal lesen kannst (egal, ob du es hasst oder nicht)
07 Ein Buch, das dich an jemanden erinnert
08 Ein Buch, das dich an einen Ort erinnert
09 Das erste Buch, das du je gelesen hast
10 Ein Buch von deinem Lieblingsautoren/deiner Lieblingsautorin
11 Ein Buch, das du mal geliebt hast, aber jetzt hasst
12 Ein Buch, das du von Freunden/Bekannten/etc. empfohlen bekommen hast
13 Ein Buch, bei dem du nur lachen kannst
14 Ein Buch aus deiner Kindheit
15 Das 4. Buch in deinem Regal von links
16 Das 9. Buch in deinem Regal von rechts
17 Augen zu und irgendein Buch aus dem Regal nehmen
18 Das Buch mit dem schönsten Cover, das du besitzt
19 Ein Buch, das du schon immer lesen wolltest
20 Das beste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast
21 Das blödeste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast
22 Das Buch in deinem Regal, das die meisten Seiten hat
23 Das Buch in deinem Regal, das die wenigsten Seiten hat
24 Ein Buch, von dem niemand gedacht hätte, dass du es liest/gelesen hast
25 Ein Buch, bei dem die Hauptperson dich ziemlich gut beschreibt
26 Ein Buch, aus dem du deinen Kindern vorlesen würdest
27 Ein Buch, dessen Hauptperson dein »Ideal« ist
28 Zum Glück wurde dieses Buch verfilmt!
29 Warum zur Hölle wurde dieses Buch verfilmt?
30 Warum zur Hölle wurde dieses Buch noch nicht verfilmt?
31 Das Buch, das du am häufigsten verschenkt hast

Monster

Monster und Gruselgestalten haben mich schon als Kind fasziniert. Es begann mit Otfried Preusslers »Kleinem Gespenst« im Grundschulalter. Meine »Hui Buh«-Schallplattensammlung war lückenlos. Die Eltern wurden bekniet, länger aufbleiben zu dürfen, wenn Christopher Lee als Dracula in der Fernsehvorschau der »Hörzu« angekündigt war. Bücher über Vampire, Ghouls, Aliens und Harpyen füllten meine Teenagerbibliothek. Ich verschlang alles von Stephen King, las Gruselanthologien, schlich durch die ersten Videotheken Mitte der Achtziger Jahre und goutierte die Covertexte und -fotos der damals ganz ungeniert ausgestellten Splatter- und Zombiefilme. Dass mir dieselben Horrorwesen, die mich des Tages und in Gesellschaft Gleichgesinnter faszinierten, nachts oft den Schlaf raubten, nahm ich in Kauf. Mein Lieblingszitat dazu stammt ebenfalls von Stephen King:

»Das Ding, das unter dem Bett darauf lauert, meinen Fuß zu packen, ist nicht real. Ich weiß das, aber ich weiß auch, daß es mich nie erwischen wird, solange ich meinen Fuß gut unter der Decke halte.«

Und so war es auch nicht verwunderlich, dass ich aus dem farbenfrohen, reichhaltigen Bastelset mit ofenhärtbarer FIMO-Knete, das ich um mein sechzehntes Lebensjahr herum erhielt, keine Serviettenringe und Blumenbuketts knetete, sondern Monster. Monsterköpfe, genauer gesagt. Ich habe sie bis heute sorgsam aufgehoben, in einer kleinen Pappschachtel, die mit leuchtendrotem Flokatiplüsch ausgelegt ist.

Gerade habe ich sie geöffnet. Es ist schon spät und seit vielen Stunden dunkel. Der Wind pfeift ums Haus, so leise, dass man es erst hört, wenn alle Unterhaltungsgeräte ausgeknipst sind, und ja, selbst in einer Großstadt wie Hamburg kommt es mir so vor, als ob ab und zu das Licht flackerte, nachts, wenn die Monster durch die kleine Tür am oberen Ende unseres Rückenmarks in unsere Köpfe klettern. Einige, die ich persönlich kenne, möchte ich Euch jetzt gerne vorstellen.

Monster_01

Das Erstlingswerk, eine freie Studie zur Faszination der Asymmetrie, wie sie z.B. auch wunderbar im Gesicht des entstellten Forschers Prof. Deemer im Jack-Arnold-Film »Tarantula« (1955) zum Ausdruck kam. Die Haare sind aus schwarzem Nähgarn, das mit Uhu an den Monsterschädel geklebt ist.

Monster_02

Zombies und Untote dürfen natürlich in einer Monstergalerie nicht fehlen. Ein bisschen Frankenstein, ein paar klaffende Wunden (Revell Modellbaufarbe) und ein hübsch exponierter Augapfel. Voilà.

Monster_03

Das Monster ist datiert auf 1984, der Film »Critters« kam erst 1986 in die Kinos, dennoch ist eine gewisse Ähnlichkeit des maliziösen nadelzahnigen Grinsens beider Protagonisten nicht von der Hand zu weisen. Die grundlegende Anatomie weist Züge von »Star Trek«- und »Star Wars«-Aliens auf, eine Besonderheit sind die neongrünen aufgeklebten Papierpupillen (geklaute Fetzen eines Supermarktplakates).

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Ganz klar eine Interpretation des Chefvampirs Kurt Barlow aus der fürs Fernsehen gedrehten Stephen-King-Verfilmung »Salem’s Lot« (1979), der sich seinerseits an den von Max Schreck gespielten Ur-Zelluloidvampir Graf Orlok aus dem Stummfilm »Nosferatu« (1922) anlehnt. Seit ich die Vampire in diesem TV-Film sah, wünschte ich mir lichtreflektierende Kontaktlinsen.

Monster_05

Einer meiner Lieblingshorrorfilme ist »Das Ding aus einer anderen Welt« von John Carpenter (1982). Viele wissen, dass der Film ein Remake des gleichnamigen Schwarzweißfilms aus dem Jahr 1951 ist. Weniger bekannt ist die Literaturvorlage beider Filme, die Science-Fiction-Kurzgeschichte »Who Goes There?« (1938) von John Wood Campbell Jr. In dieser Story wird das unheimlich wandelbare Wesen aus dem All so beschrieben:

»Das Ding, das an einen blauen Gummiball erinnerte, sprang hoch. Einer seiner vier tentakelartigen Arme zuckte ihnen entgegen wie eine zustoßende Schlange. (…) Die strichdünnen Lippen des Ungeheuers entblößten giftschlangenähnliche Fangzähne und verzogen sich zu einem widerlichen Grinsen. Die roten Augen blitzten vor Wut.«

Daraus und aus einer bizarren Metamorphose in einer Szene der Carpenter-Verfilmung wurde dieses kleine Scheusal geboren.

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Eine zweite Zombie-Interpretation in fortgeschrittenem Verwesungszustand. Dem Fehlen einer intakten – offenbar vormals recht stattlichen – Nase insbesondere war wohl das Hauptaugenmerk dieser Knetstudie gewidmet. Wozu die insgesamt 8 Nasenkammern dienen, ist nicht überliefert. Die Frisur nutzt Stücke eines mottenkugelparfümierten Schwarzfuchskragens, der kurz zuvor aus Omas Kleiderschrank geflogen war.

Monster_07

Die gelben Reflektoren aus einer im Bordstein gefundenen Kunststoff-Baustellenmarkierung waren die Inspiration für dieses Reptilienwesen. »Tolle Augen« dachte ich mir und buk die herausgebrochenen Glaszylinder in den FIMO-Schädel ein. Und da Punk Mitte der Achtziger so lebendig war wie nie, lag auch die Anregung für die Haartracht bald nahe. Die Zunge mag eine unbewusste Reminiszenz an den KISS-Sänger Gene Simmons sein, obwohl mich die Musik dieser Band nie sonderlich interessierte.

Soweit der Ausflug in meine kleine FIMO-Monsterwelt, kreiert während der Jahre von 1984 bis etwa 1986. Ich wünsche eine gute Nacht – und deckt Euch gut zu …

Monsterdesign und Fotos: © formschub

Coole Werbung

Am vergangenen Montag feierte sich die Hamburger Werbeszene in der Neuen Flora bei Bier, Eis und Canapés im Rahmen der »Nacht der Löwen«, der Bühnenverleihung der Cannes Lions 2010. Und natürlich gab’s auch die unter Werbern legendäre »Cannes-Rolle« zu sehen.

Nach 90 Minuten Werbung ohne Unterbrechung durch Spielfilmschnipsel fühle ich mich zwar jedesmal wie weichgespült und erinnere mich schon wenige Momente nach dem Fallen des Vorhangs nur noch bruchstückhaft an alles Gesehene, aber ein mit Bronze prämierter Spot der Agentur Ogilvy Paris für Perrier ist »klebengeblieben«. Effekte, Kamera, Musik, Tempo, Schnitt, Casting – alles perfekt. Passt zwar nicht mehr so ganz in die Jahreszeit, aber seht selbst.

2009 gab es von der Agentur bereits eine Plakat-/Anzeigenserie mit derselben Grundidee, die ebenfalls einen Cannes-Löwen erhielt. Wer ausführlicher in den 2010 prämierten Clips und Kampagnen stöbern möchte, kann das hier tun.

Pilzfund

Endlich! Während eines Wochenendaufenthaltes in der Nähe von Lüneburg habe ich nach Jahren nun eine Stelle entdeckt, in der die leckeren Riesenschirmlinge oder Parasole in rauhen Mengen wachsen. Bisher war ich stets nur in Dänemark oder Schweden fündig geworden. Heute gibt’s Pilzpfanne!

Parasol 01

Parasol 02
Fotos: © formschub

Freitagstexter – Gewinner

Wuff! 25 tapfere Textrecken hatten keine Angst vor dem bösen schwarzen Hund und haben sich hier in der letztwöchigen Freitagstexterrunde mit insgesamt 37 Kommentaren kreativ verewigt. Dafür zunächst vielen Dank! Sofa – so good. Schreiten wir nun zur (wie immer völlig subjektiv begründeten) Siegerehrung:

Der 3. Platz
geht an den fachkundigen Polstermöbelpflegehinweis von pulsiv:
»… und wenn sie auf den hund kommen, wischen sie ihn vorsichtig mit einem taschentuch trocken.«

Auf dem 2. Platz
mehrt die fluffig-rustikale Bauernregelkreation von Markus unser Wissen über Hundewetter:
Ist der Boden nass und kühl,
Bevorzugt Hasso Plüsch und Tüll.

Und auf dem 1. Platz
fordert die doppeldeutige Warnung von pulsiv mit geschickt eingesetzter sächsischer Phonetik Hirn und Zwerchfell gleichermaßen heraus:
»vorsischd … des is n köder!«

Damit reiche ich den goldenen Knochen an pulsiv weiter, der am kommenden Freitag, den 10. September für neue Textosteronausschüttungen im großen weiten Internetz sorgen wird. Herzlichen Glückwunsch!

Bei Bedarf gibt’s für die Folgerunde(n) hier die original Freitagstexter-Banner zum Mitnehmen.

Freitagstexter Gewinner

Loriot auf Japanisch

Loriot Geisha

Zur abendlichen Unterhaltung schaue ich seit einigen Tagen die bei arte aufgezeichneten 11 Folgen der US-Fernsehserie Shogun mit Richard Chamberlain aus dem Jahr 1975. Zu Beginn jeder Folge fasst eine Sprecherin der Hergang der vorangegangenen Handlung kurz zusammen.

Das brachte mich auf die Idee, eine Hommage an die legendäre Loriot-Fernsehansage zur Serie »Die zwei Kusinen« mit Evelyn Hamann mit japanischen Orts- und Personennamen zu verfassen. Ob das funktioniert? Lest selbst:

»Guten Abend, meine Damen und Herren! Heute sehen Sie die achte Folge unseres sechzehnteiligen japanischen Historiendramas ,Die zwei Samurai’. Zunächst eine kurze Übersicht über den Handlungsablauf der bisher gesendeten sieben Folgen.

Auf dem Schloss Kamakura-Mihara des Shôguns Tokugawa Oshima Futarasan in der Provinz Shimotsuke befinden sich außer dem jüngsten Sohn des Shôguns Toyotomi no Yoritomo auch die Kurtisanen Mitsuko Takahashi und Fumiko Tsûtenkaku aus den benachbarten Ortschaften Higashisonogi und Gokanoshō Nomozaki, ferner der Daimyo von Futagami Fukushima, der achtundachtzigjährige Tsuyoshi Wakizashi, dessen Fürstentum Chikushino Munakata zur Zeit von den Truppen des Samurai Susumu Shiroishi Shiribeshi, einem Widersacher Tokugawa Oshimas, besetzt wird. Mitsuko Takahashi hatte für Toyotomi no Yoritomo in Shutendoji Yama einen seidenen Michiyuki besorgt, ihn aber bei Susumu Shiroishi Shiribeshis Sohn Shigeru liegenlassen. Toyotomi no Yoritomo verdächtigt Mitsuko Takahashi, auf der Reise die Nacht bei Shigeru Shiribeshi verbracht zu haben.

Gleichzeitig findet Fumiko Tsûtenkaku auf dem Weg in einer Sänfte mit Tsuyoshi Wakizashi von Higashisonogi nach Kamakura-Mihara in Chikushino Munakata den seidenen Michiyuki. Nach einer dramatischen Auseinandersetzung zwischen Toyotomi no Yoritomo und Shigeru Shiribeshi eilt Fumiko Tsûtenkaku nach dem zwei Stunden entfernten Tamatsukuri, um ihre Kusinen Sadako Shokambetsu und Megumi Ikushumbetsu aufzusuchen. Diese sind jedoch nach Nishi-kumaneshiri zu ihrem Onkel Manabu Kaminokawa gefahren, der als Tempelwächter in Chikushino Munakata für Susumu Shiroishi Shiribeshi arbeitet.

Fumiko Tsûtenkaku eilt nach Kamakura-Mihara zurück, aber nicht über Gokanoshō und Higashisonogi Nomozaki, sondern über Nishi-kumaneshiri, Chikushino Munakata, Higashisonogi und Gokanoshō Nomozaki. Dort trifft sie Shigeru Shiribeshi, der mit Susumu Shiroishi Shiribeshi noch nachts von Gokanoshō Nomozaki nach Shutendoji Yama reisen wollte …«

Original photo: © Okinawa Soba | Some rights reserved
Photo retouching by formschub